Mit Volldampf Kurs Berlin

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 17. August 2005

Kurz und knallhart wird der Wahlkampf, alle haben es angekündigt - und die CDU macht ernst: Vielleicht inspiriert durch die Industriekulisse, stand CDU-Generalsekretär Volker Kauder in der Büdericher Böhler-Halle mächtig unter Dampf. Mit Argumenten und einer Portion Theaterdonner - „Lügen haben kurze Beine, kürzer sind dem Schröder seine“ - setzte Kauder die Wahlkämpfer in Marsch. Kein Wort von Spekulationen über (große) Koalitionen oder die jüngsten Stoiber-Äußerungen - Kauder kannte nur ein Thema und das hieß Wechsel und die Kanzlerschaft für Angela Merkel.

Der Beifall war ihm sicher, zu sicher aus der Sicht der Organisatoren, denn obwohl die CDU-Kreisverbände Neuss und Düsseldorf gemeinsam eingeladen hatten, füllte sich die Halle nur zögerlich. Rund 150 Köpfe, darunter eine große Wahlkampfmannschaft, wurden es schließlich. Da musste die Union wohl auch dem Auftakt des Weltjugendtages ihren Tribut zollen.

Noch vor Kauders Rede hatte Willy Wimmer MdB, Bundestagskandidat in Meerbusch, Kaarst, Korschenbroich, Jüchen und Krefeld-Süd, das Ziel vorgegeben: Im Bund müsse gelingen, was die Union auch in Nordrhein-Westfalen geschafft habe. „Wir wollen hier wie Bayern oder Baden-Württemberg und Sachsen wieder ,erste Sahne’ werden.“ Ein Sprung nach vorn, der auch bundesweit gelingen könne, wenn Angela Merkel Kanzlerin werde, ergänzte Hermann Gröhe MdB, Kandidat in Neuss, Grevenbroich, Dormagen und Rommerskirchen.

Den Weg zum Wechsel erklärte Volker Kauder. Zunächst gelte es das Vertrauen der Menschen in die Politik zurückzugewinnen, das Kanzler Gerhard Schröder verspielt habe: Fünf Millionen Arbeitslose, Rekorde bei Firmenpleiten und Verschuldung, ein Rentensystem vor dem Aus, eine Außenpolitik, die mit der Unterstützung einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei die Leistungsfähigkeit Deutschlands und Europas überfordere - eine rot-grüne Bilanz nach Lesart des CDU-„Generals“. Die CDU hingegen setze auf einen klaren Kurs und klare Ansagen, auch wenn sie hart klängen. „Keine falschen Versprechungen“, versprach Kauder. „Wir brauchen zwei Legislaturperioden, um wieder ganz nach oben zu kommen.“

Meilensteine auf dem Weg Deutschlands zurück an die Spitze in Europa seien unter anderem eine wirksame Entbürokratisierung, ein modernes Arbeitsrecht und ein einfacheres Steuersystem. „Holt den Merz zurück“, schallte es Kauder entgegen - fröhlich schwenkte ein Zwischenrufer seinen Bierdeckel. Erst die Themen, dann die Personen, parierte der „General“ und betonte noch einmal die Bedeutung niedrigerer Lohnnebenkosten. Nur so ließen sich neue Arbeitsplätze schaffen - ein Perspektive, die die Erhöhung der Mehrwertsteuer als seriöse Gegenfinanzierung - allemal rechtfertige.