Sportpolitisches Forum der CDU des Kreises Neuss

Umorientierung der Vereine gefordert

v.l.n.r.: Eberhard Hücker (Vorsitzender der Stiftung Sport im Kreis Neuss), Josef Metzges (Sportpolitischer Sprecher des CDU-Kreisverbandes Neuss), Meinolf Sprink (Sportbeauftragter des Vorstands der Bayer AG), Volker Staufert (Kreissportbund Neuss e.V.), Marcel Vossschulte (1. stv. Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Neuss)

In Zeiten leerer öffentlicher Kassen und drohender Kürzungen in den Bereichen Übungsleiterpauschale und Sportstätten müssen Sportvereine neue Wege gehen. Bei der Diskussionsveranstaltung des Sportpolitischen Forums der CDU im TSV Bayer Sportcenter in Dormagen zum Thema "ohne Moos nichts los" stand deshalb ein entsprechendes Engagement der Wirtschaft im Vordergrund.

Die Olympiateilnehmer von 2012 sind heute zehn Jahre alt. Mit den drohenden Kürzungen im Bereich der Übungsleiterpauschale um 45 Prozent und der Sportstätten um rund 20 Prozent scheint die Qualität des Sportangebotes ernsthaft gefährdet. So sehen es die Experten. Denn ohne Breitensport kein Leistungssport und ohne Leistung kein wirtschaftliches Engagement. Um Wege zu finden, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, will der CDU-Kreisverband Neuss mit den beteiligten Akteuren aus Politik, Verwaltung Wirtschaft und Vereinen im Gespräch bleiben.

Für das zweite sportpolitische Forum unter dem Titel "Ohne Moos nichts los" konnte die CDU dafür eine Reihe kompetenter Gesprächspartner gewinnen: Den Sportbeauftragten des Vorstandes der Bayer AG, Meinolf Sprink, den Vorsitzenden der Stiftung Sport, Eberhard Hücker und Volker Stauffert vom Kreissportbund. Meinolf Sprink brachte es auf den Punkt: "Sponsoring hat etwas mit einer 'win-win-Situation' zu tun. Das heißt die Unternehmen erwarten Gegenleistungen". Wenn Bayer einen Euro einsetze, erwarte das Unternehmen fünf Euro zurück. Die Vereine müssten sich deshalb fragen, wie sie sich für eine Förderung qualifizieren können.

Besonders erschwert würde das Engagement der Wirtschaft, wenn die "Giftliste" der rot-grünen Regierung realisiert würde. Diese sieht unter anderem vor, dass Kapitalgesellschaften Spenden nicht mehr steuerlich absetzen können. "Wenn das geschieht", machte auch Eberhard Hücker deutlich, "dann ist das Sponsoring gestorben". Der Vorsitzende der Stiftung Sport sehe in diesem Fall keine Möglichkeit mehr, die Partner des Sports zu weiteren Spenden zu bewegen.

Fazit: Die Vereine müssen sich als lukrativer Teil der Unterhaltungsbranche, als Vehikel der Werbebranche und als Instrument der Gesundheitsförderung etablieren. Sprink gab dazu einige Tipps: Die Sportvereine sollten Gesellschaftsentwicklungen "mitnehmen". Vor allem im Fitness-, Wellness- und Singlebereich könnten Gewinne erwirtschaftet werden, wodurch die Vereine auch wieder attraktiv für Unternehmen würden.

Die Öffentlichkeitsarbeit müsse im Vereinsleben auf jeden Fall einen größeren Raum als bisher einnehmen. Nur so könnten auch die örtlichen Hifi- oder Autohäuser, Bäcker oder Elektroläden auf den Zug aufspringen. Volker Stauffert vom Kreissportbund sieht weniger die Wirtschaft als die öffentliche Hand in der Pflicht, den Vereinssport zu unterstützen. Schließlich fördere der Sport die Gesundheit und die Sozialkompetenz, wodurch der Staat wieder Kosten einspare.

Er appellierte an die Politiker, unter ihnen auch der Dormagener Vize-Bürgermeister Hans Sturm, eher in anderen Bereichen einzusparen. Mit Blick auf die Übungsleiterpauschale sagte er: "Ohne Ehrenamtler läuft nichts". Bei der anschließenden Diskussion wies Joachim Fischer von der SG Zons darauf hin, dass die Vereine vor allem Unterstützung bei dem Bau und der Sanierung von Sportstätten benötigten. Das seien die größten Posten.

Hücker machte daraufhin einen Vorschlag: Anstelle von drei Stadtfesten im Jahr könnte die Infrastruktur für ein "vernünftiges Freizeitverhalten" finanziert werden. Dies solle in konstruktiver Zusammenarbeit mit Unternehmen geschehen. Um aber noch Einfluss auf Kürzungen der öffentlichen Hand zu nehmen riet Dieter Welsink den Vereinen Protestschreiben an die Landesregierung zu schicken. Dabei sollten die Stärken des Sports in den Vordergrund gerückt werden.

Von Saskia Zeller