„Siedlungen für alle“

Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 18. Februar 2005

Dr. Hans-Dieter Krupinski brachte den allgemeinen Tenor treffend auf den Punkt: „Wir müssen Siedlungen schaffen, in denen alle leben können - Jung und Alt, Gruppe und Pflege, Eigentum und Miete.“ Der Ministerialdirigent im NRW-Ministerium für Städtebau und Wohnungswesen gehörte zu den Teilnehmern der Tagung „Leben und Wohnen im Alter“, zu der die CDU-Landtagsfraktion gestern ins Sparkassen-Forum nach Neuss geladen hatte. „Die demografischen Herausforderungen wurden lange Zeit verdrängt. Jetzt müssen sich Wohnungsbaupolitik und Wohnungswirtschaft diesen Herausforderungen verstärkt stellen“, so der Neusser Abgeordnete Heinz Sahnen, stellvertretender Vorsitzender des Landtagsausschusses für Städtebau und Wohnungswirtschaft und quasi Gastgeber der Veranstaltung, zu der auch Bernd Schulte, der wohnungsbaupolitische Sprecher der Unionsfraktion, gekommen war.

Neuss’ Bürgermeister Herbert Napp hatte in seinem Grußwort den Rahmen vorgegeben: „Bei ihrer Neubautätigkeit muss die Wohnungswirtschaft für eine zunehmende Zahl aktiver oder zumindest mit einer längeren Lebenserwartung ausgestatteter Senioren Wohnraum zur Verfügung stellen, der barrierefrei zu erreichen ist und eine größere Mobilität ermöglicht.“ Wie dies aussehen kann, zeigten zwei Neusser Beispiele. Dagmar Schwedler, kaufmännische Geschäftsführerin des Diakonischen Werks, skizzierte das Projekt ihres Verbands im neuen Stadtteil Meertal: Appartements für rüstige Ältere fehlen ebenso wenig wie Gruppeneinrichtungen für Demenzkranke. Ein „Servicepoint“ als Schaltstelle für die 24-Stunden-Versorgung, ein großer Gemeinschaftsraum für Feste sowie Gesprächskreise und Reparaturdienste schließen den Kreis ebenso wie Zimmer, die Angehörige zu Besuch buchen können. Architekt Eckehard Wienstroer und Klaus Harnischmacher vom Neusser Bauverein stellten das Modellprojekt „Südliche Furth“ vor - und ließen keinen Zweifel daran, dass barrierefreie Wohnungen nicht nur Senioren im Rollstuhl nützen, sondern auch jungen Eltern mit dem Kinderwagen. Birgit Ottensmeier, mit dem Thema bestens vertraute Projektleiterin der Bertelsmann-Stiftung, fand dies schon ganz prima - nur: „man muss schauen, ob das Quartier auch gemeinsam mit seinen künftigen Bewohnern geplant wird“. Genau das halten die Experten für wichtig.

Fazit von Hans-Dieter Krupinski: NRW hat sich mit seinem diffenzierten Förderangebot für das selbständige Wohnen und die Schaffung von Pflegewohnplätzen rechtzeitig auf den demografischen Wandel eingestellt. Aber eines sei längst klar, so der Fachmann aus Düsseldorf: „Wir brauchen für solche Projekte zu allererst gute Standorte, und die liegen nun einmal mitten in der Stadt“. Und da fängt bei so mancher Kommune das Problem schon an.