Rheinländer für eine Region Rheinland Rheinländer unter sich

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 24. Juli 2003

Es war ein großes Familientreffen, als am Mittwoch auf Schloss Dyck Rheinländer zusammenkamen, um Pflöcke zu setzen für eine gemeinsame Region. Und es war auch ein Treffen rheinischer CDU-Vertreter, die sich um ihren aus Pulheim stammenden Landesvorsitzenden Jürgen Rüttgers scharten und eine Dycker Erklärung verkündeten: Abschaffung der fünf Bezirksregierungen und stattdessen die Gründung von drei Regionen Westfalen-Lippe, Ruhrgebiet und Rheinland.

Diese Regionen sollen "um die Landschaftsverbände und um den Kommunalverband Ruhrgebiet gedreht werden", sagte Rüttgers. Damit sei auch die Standortfrage von Regionalräten klar: Köln, Essen und Münster. CDU-Kreisvorsitzender Hermann Gröhe MdB hatte die Teilnehmer der Konferenz begrüßt, unter ihnen auch den Neusser CDU-Vorsitzenden Cornel Hüsch, der die Initiative zu dieser Rheinlandkonferenz auf Schloss Dyck ergriffen hatte.

Hüsch hatte auch den Sonderparteitag der CDU in Neuss organisiert, als es um den Stadt-Umland-Verband ging. "Thomas Hendele, der Landrat des Kreises Mettmann, und ich haben uns auf dem Neusser Parteitag unmissverständlich für eine Rheinische Lösung ausgesprochen, rheinisch im besten Sinne dieses Wortes und in Übereinstimmung mit dem einstimmigen Votum unseres Landesparteitages", sagte Landrat Dieter Patt, der am Mittwoch einen weiten Bogen rheinischen Lebens und mit prägenden Rheinländern schlug.

Jürgen Rüttgers machte der Landesregierung ein klares Angebot. Er sei gesprächsbereit, wenn es um Verwaltungsstrukturreform in diesem Sinne gehe. Es sei mit ihm aber nicht zu machen, wenn Verwaltungsebenen wie die Bezirksregierungen bestehen blieben. Rüttgers betonte, dass eine Verwaltungsreform nicht gegen die Identifikation eines Raumes gemacht werden könnte. Die regionalen Überlegungen unter den Stichwort Identität hätten im Ruhrgebiet begonnen. "Bei uns war der Problemdruck besonders groß", sagte Bundestagsvizepräsident Dr. Norbert Lammert.

Der Bochumer war am Mittwoch als Nicht-Rheinländer nach Dyck gekommen, um seinen rheinischen Kollegen zu versichern, er werde ihre regionalen Überlegungen unterstützen. "Weil wir global denken, wird es eine Renaissance der Heimat geben", sagte Wolfgang Bosbach MdB aus Bergisch-Gladbach. Er pflegt seine rheinische Mundart auch in Berlin, wo er zudem den fröhlichen rheinischen Menschen verkörpert, denn: "Politik wird nicht besser, wenn Politiker schlecht gelaunt sind. Man kann auch fröhlich gute Politik machen."

"Wir sind der Auffassung, dass es richtig ist, heute die Initialzündung für die Gründung der Region Rheinland zu geben", sagte Cornel Hüsch. Im Rahmen der Regionalreform im Lande sei auch für die Region Rheinland ein Gesetz erforderlich, das der Landtag verabschieden müsse. Hüsch schlug auch die Gründung eines Rheinlandbüros vor, um der rheinischen Initiative weiteren Auftrieb zu geben. "Die Zeit ist reif für ein starkes, solidarisches, weltoffenes und modernes Rheinland", so Hüsch.

Der Mettmanner Landrat Thomas Hendele, der schon auf dem Parteitag regionale Zukunft formuliert hatte, wies darauf hin, dass man aber nicht auf der Hälfte des Weges stehen bleiben dürfe. "Es muss auch die Frage beantwortet werden, wie das finanzielle Verhältnis zwischen Land und Kommunen geregelt wird." Cornel Hüsch kündigte an, dass es demnächst eine zweite Rheinland-Konferenz geben werde mit allen Verwaltungschefs sowie den wichtigen gesellschaftlichen Gruppen. "Damit wird es schon Tradition," sagte Rüttgers. "Beim dritten Mal ist es dann Brauchtum."

Friedhelm Ruf