Kulturkampf? „Maß halten!“

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 6. Februar 2006

„Maß halten“, dafür plädiert der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer mit Blick auf die Unruhen nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen. „Ich frage mich, was in Dänemark, wo die Karikaturen zum ersten Mal veröffentlicht wurden, passiert wäre, wenn nicht Mohammed sondern Mitglieder des Königshauses abgebildet worden wäre“, so Wimmer. Wahrscheinlich wäre es dazu jedoch nicht gekommen: „Dann wird nämlich Maß gehalten.“ Und eben dies sei auch geraten, „ganz gleich, ob es sich um Mohammed, Martin Luther oder den Papst handelt“, so der CDU-Politiker.

Andererseits seien natürlich auch die Gewalttaten gegen europäische Institutionen im arabischen Raum nicht zu tolerieren: „Das ist das Werk von Demagogen.“ Wundern dürften sich die Europäer über das Maß an Gewalt, das sich im Nahen Osten entlade, allerdings nicht: „Wir müssen aufhören zu klagen, wenn irgendwo Fensterscheiben zu Bruch gehen. Denn andererseits sterben im Irak noch immer jeden Tag 100 Menschen in der Folge eines völkerrechtswidrigen Krieges.“ Wenn jetzt einseitig nur auf die Übergriffe von islamischer Seite geschaut werde, stimme die Gewichtung nicht mehr.

CDU-Kreisvorsitzender Hermann Gröhe MdB - in der Vergangenheit selbst in dem deutschen Kulturzentrum in Gaza zu Gast, das am Wochenende von wütenden Palästinensern angegriffen wurde - mahnt unterdessen in der aktuellen Diskussion „Kraft zur Differenzierung“ an: Zwar gelte es genau zu beobachten, wie sich islamische Gruppierungen auch in Deutschland verhalten, andererseits müsse der Weg der Integration, der gerade im Rhein-Kreis Neuss im guten Dialog der Religionen und Kulturen bereits große Fortschritte gemacht habe, entschieden weiter verfolgt werden.