Nicht nur über Kreisgemeinschaft reden, sondern gemeinsam handeln Die CDU-Schulpolitiker der Städte und Gemeinden im Rhein-Kreis Neuss stellen Konzept „Recht auf Bildung“ – ein Projekt gegen Schulschwänzen vor.

v.l.n.r.: Ursula von Nollendorf (Neuss), Irmintrud Berger (Grevenbroich), Beate Pricking (Rhein-Kreis Neuss), Ralf Kriesemer (Jüchen), Wolfgang Kauerz (Korschenbroich), Hubert Pane (Rommerskirchen), Dorothea Zillmer (Kaarst), Bernd Engwicht (Dormagen)
v.l.n.r.: Ursula von Nollendorf (Neuss), Irmintrud Berger (Grevenbroich), Beate Pricking (Rhein-Kreis Neuss), Ralf Kriesemer (Jüchen), Wolfgang Kauerz (Korschenbroich), Hubert Pane (Rommerskirchen), Dorothea Zillmer (Kaarst), Bernd Engwicht (Dormagen)

Die CDU- Schulpolitiker aller Städte und Gemeinden des Rhein-Kreises Neuss beschlossen ein Konzept gegen das Schulschwänzen, das nun am 19.November 2007 im Schulausschuss des Rhein-Kreises Neuss als Antrag der CDU-Kreistagsfraktion auf der Tagesordnung steht. Auf Einladung der stellv. Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Beate Pricking, hatten sich die Kommunalpolitiker zusammengesetzt, um abzuklopfen, bei welchen Themen ein gemeinschaftliches Handeln im Bereich der Schulpolitik sinnvoll und effektiv ist.

Als erste gemeinsame Initiative wird nun das Projekt gegen Schulschwänzen –Recht auf Bildung– gestartet, nachdem stichprobenartige Prüfungen ergeben haben, dass auch im Rhein-Kreis Neuss zu viele Kinder und Jugendliche den Unterricht ihrer Schulen nicht regelmäßig besuchen.

„Trotz der verharmlosenden Umschreibung kann das Schulschwänzen für das spätere Leben von abschlusslosen Schulabgängern verheerende Folgen aufweisen und auch zum Ausgangspunkt von Gewaltbereitschaft und Straffälligkeit von Kinder und Jugendlicher werden“, erläutert Bernd Engwicht, Schulausschussvorsitzender in Dormagen die Notwendigkeit dieses Antrages. „Wir dürfen nicht warten, bis junge Menschen ohne Schulabschluss auf der Straße stehen, sondern müssen frühzeitig die Weichen für einen Schulabschluss stellen, der zu einer erfolgreichen Berufsbewerbung führt.“
„Deshalb darf das Schulschwänzen nicht als Kavaliersdelikt verharmlost werden. Dies bedeutet, dass ein enges Netzwerk aufgebaut werden muss, das schon bei ersten Versuchen der Kinder die Eltern informiert und notorisches Schul-schwänzen in geeigneter Weise bekämpft“ fordert Dorothea Zillmer, stellv. Fraktionsvorsitzende der CDU Kaarst.

„Die verheerende Folge der hartnäckigen Schulverweigerung für die Fähigkeit, ein sozial erfolgreiches und verantwortliches Leben zu führen, soll auch den Verantwortlichen in den Verwaltungen und vergleichbaren Einrichtungen vor Augen geführt werden, um deren unverzichtbare Bereitschaft zur tätigen Hilfe zu stärken“ , betont Hubert Pane, Fraktionsvorsitzender der CDU Rommerskirchen.

„Sicher sind die meisten Eltern bemüht, sofern sie die Information erhalten, dass ihr Kind der Schule ferngeblieben ist, dem entgegenzuwirken. Doch gibt es auch Eltern, die Schulschwänzen durch Interesse- oder Machtlosigkeit oder auch aus verschiedensten anderen Gründen begünstigen. Bei dieser Minderheit ist besonders intensiv zu prüfen, welche Maßnahmen welcher Stellen geeignet sind, um zu einer möglichst schnellen und nachhaltigen Aufnahme des Schulbesuchs zu führen“, weiß Wolfgang Kauerz, schulpolitischer Sprecher aus Korschenbroich, zu berichten.

„Das Problem scheint insbesondere in Ballungsräumen zu bestehen“, hat sich Ralf Kriesemer, schulpolitischer Sprecher der CDU Jüchen bereits kundig gemacht. „Die gemeinsame Aktion ist für mich besonders wichtig. Wir müssen im Rhein-Kreis Neuss auch bei diesem Thema Geschlossenheit zeigen.“

„Schulsozialarbeiter vor Ort haben in den vergangenen Jahren zu einer erheblichen Beruhigung ‚an der Schulfront’ geführt.“ So habe man beispielsweise große Erfolge bei der Bekämpfung des Schulschwänzens erzielt, denn die Zahl der in diesem Bereich verhängten Ordnungsmaßnahmen sei drastisch zurückgegangen, weiß die Schulausschussvorsitzende Stephanie Wellens aus Neuss zu berichten. Eine Planstelle für Koordinierungsaufgaben zwischen Jugendhilfe und Schulsozialarbeit habe sich sehr bewährt, ergänzt die Neusser Stadtverordnete Ursula von Nollendorf.

„Schulschwänzen ist nicht nur im familiären und schulischen Bereich zu suchen, sondern die Ursachen liegen vor allem im sozialen Bereich. Sehr wichtig finde ich, ist die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Grevenbroich wird im kom-menden Schulausschuss „Schulschwänzen“ thematisieren“, zieht Irmintrud Berger, Schulausschussvorsitzende in Grevenbroich, für sich das Fazit.

„In der Fachöffentlichkeit ist unbestritten, dass ordnungsrechtliche Maßnahmen allein wenig bewirken, weil sie nicht auf die tatsächlichen Ursachen von Schulverweigerung reagieren“, so Beate Pricking, stellv. Vorsitzende des Kreisschulausschusses. „Vielmehr müssen sich alle Akteure an einen Tisch setzen, ein gemeinsames Konzept erarbeiten und in aller Konsequenz umsetzen.“ Dabei müssen die bereits vorhandenen Ressourcen genutzt werden, um die Synergieeffekte zu erhöhen. Eckpunkte des Programms sollen eine verbindliche Vernetzung der Schule, Jugendhilfe und Familie, die gezielte und verbindliche Einbeziehung der Eltern sowie die individuelle schulische und soziale Bildungsförderung jeder einzelner Schülerin bzw. jedes einzelnen Schülers sein. So habe auch die Bundesregierung 2006 das Bundesmodellprojekt „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ gestartet, das durch Mittel des Europäischen Sozialfonds und des Bundes gefördert wird.