CDU-Kreisvorsitzender Hermann Gröhe zum 70. Jahrestag der Pogrome vom 9. November 1938: 70 Jahre danach: Erinnern, Mahnen und Gedenken

Der CDU-Bundestagsabgeordnete des Rhein-Kreises Neuss, Staatsminister Hermann Gröhe, erinnerte an den 70. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 1938: „Gewalt und Terror der Nationalsozialisten gegen die jüdische Bevölkerung fanden einen weiteren grausamen Höhepunkt in dieser Nacht, die zu den düstersten in unserer Geschichte gehört.“

Während der so genannten Reichspogromnacht wurden etwa 400 Menschen getötet oder in den Tod getrieben, weitere 30 000 Menschen wurden inhaftiert und fast alle Synagogen und jüdischen Friedhöfe zerstört. „Die Pogrome kennzeichnen den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der deutschen Juden seit 1933 zu ihrer systematischen Verfolgung, legitimiert durch eine schweigende deutsche Bevölkerung“ erklärte Gröhe weiter. Dass seit diesem Tag vor siebzig Jahren und nach dem Holocaust jüdisches Leben in der Bundesrepublik wieder erstanden und gewachsen sei und neue Synagogen gebaut würden, bezeichnete Hermann Gröhe als Bereicherung für die Städte und Kreise in Deutschland. Er sei dankbar für das wachsende jüdische Leben auch in Neuss. So habe man bereits gemeinsam das jüdische Lichterfest gefeiert und beobachte mit Freude die Entstehung des jüdischen Gemeindezentrums im Neusser Norden.

Für Gröhe verbinden sich mit dem Datum des 9. November aber "nicht nur die Abgründe der Reichspogromnacht, sondern auch glanzvolle Momente der deutschen Geschichte". Der Fall der Berliner Mauer am 9. November im Jahr 1989 sei "ein unvergleichlicher Glücksfall" gewesen, mit dem die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas eingeleitet worden sei. Bei aller Unterschiedlichkeit der Ereignisse, die sich mit dem 9. November 1938 bzw. dem 9. November 1989 verbinden, lasse sich jedoch aus beiden historischen Daten, so Hermann Gröhe, eine gemeinsame Lehre ableiten: "Der 9. November erinnert uns stets an unsere Verpflichtung zum beharrlichen Einsatz für Menschenrechte und Demokratie. Extremisten und Fanatiker, die die Würde des Menschen missachten und Hass und Gewalt säen, müssen auf den entschlossenen Widerstand einer wehrhaften Demokratie stoßen." Gerade die junge Generation sei gefordert, für Frieden und Demokratie einzustehen und das Gedenken zu gestalten – in Neuss wie anderswo. Ein gutes Beispiel dafür sei die jährliche Gedenkfeier an der Skulptur von Ulrich Rück-riem unweit der Stelle, an der einst die Neusser Synagoge stand. Diese gestalten Schülerinnen und Schüler wechselnder Schulen mit. Hermann Gröhe: „So kommen Erinnern, Mahnen, Gedenken und das Gestalten einer friedlichen gemeinsamen Zukunft in guter Weise zusammen.“