Vogelgrippe: Kinder schützen

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 14. Januar 2006

„Mein Büro erhält zahllose E-Mails, in denen sich schockierte Bürger über die brutale Vorgehensweise der türkischen Behörden beim Umgang mit Geflügel zur Eindämmung der Vogelpest beklagen“, berichtet der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Europäischen Parlament, Karl-Heinz Florenz (CDU) vom Niederrhein. „Aber“, fragt Florenz, „wo sind die Stimmen, die den Tod von unschuldigen Kindern beklagen?“

Es sei erschütternd festzustellen, dass es in der Öffentlichkeit keinerlei Reaktionen gäbe, die den Tod von Menschen und insbesondere von kleinen Kindern in der Türkei bedauern. „Kann es sein, dass ein Vogelleben dem Menschen näher liegt, als das Leben eines Kindes? Warum erklärt kein Bürger seine Empörung über das Versagen der türkischen Behörden. Die haben massive Fehler zu verantworten und haben in tragischer Weise versagt!“ Es wurde versäumt, die Bürger rechtzeitig zu informieren und damit vor der Vogelgrippe zu schützen, meint Florenz.

„Als Landwirt tut mir das Herz weh, wie die türkischen Behörden nun in Panik Gänse, Enten und Hühner auf jedem Hof jagen und danach lebendig in Plastiksäcken gekalkt begraben.“ Es sei jedoch mindestens ebenso schockierend, dass die deutsche Öffentlichkeit sich nicht darüber beklage, dass durch massive Fehler türkischer Behörden Menschen ums Leben gekommen seien: „Ist es wirklich wahr, dass wir uns in Deutschland mehr empören, wenn Tieren Leid geschieht, als den Tod von Kindern zu beklagen?“, meint Florenz, selbst Vater von drei erwachsenen Kindern. Sobald Tieren Leid geschehe, empörten sich viele Bürger reflexartig gegen die Tierquälerei. „Und das ist richtig“, erklärt Florenz: „Ich wünsche mir aber, wir würden ein ähnliches Verhalten an den Tag legen, wenn Kindern Leid geschieht, sei es in Bad Reichenhall oder in der Osttürkei.“