Leistungssport, Gesundheit und Breitensport Sportförderung: Bündelung gefragt

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 20. Mai 2004

Die Nachricht des Abends kam von Christoph Buchbender und war als Bitte formuliert: "Liebe Politiker: Redet doch mal mit der Wirtschaft! Versucht doch mal, die Kräfte zu bündeln!" Damit reagierte der Vorstandsvorsitzende der Rheinland AG auf das gestern beim vierten Sportpolitischen Forum der CDU im Rhein-Kreis Neuss angesprochene Thema Sportförderung. Im Rhein-Kreis sei so viel Geld gar nicht nötig, um eine vernünftige Sportförderung zu machen, erklärte Buchbender. "Wenn wir die bestehende Förderung verdoppeln, könnten wir für viele Sportler etwas tun."

Der Vorschlag Buchbenders während der Podiumsdiskussion wurde mit Beifall bedacht, auch wenn der Vorsitzende der Grevenbroicher Elephants, Dr. Friedrich-Wilhelm Korsten, etwas Salz in den Wein gab, indem er die Frage stellte, ob ein Sponsorenpool Sinn mache. In Grevenbroich habe man bei Wirtschaft und Vereinen nachgefragt, von beiden sei das Thema nicht sehr begrüßt worden. Deshalb müsse die Frage beantwortet werden, was man fördern wolle. Für Landrat Dieter Patt ist es klar, dass ein sportfreundliches Klima erhalten und ausgebaut werden müsste. Dabei sollte es auch im Rhein-Kreis Sportler geben, mit denen man sich identifizieren könne, die eine Vorbildfunktion haben. Daher müsse man Sportler nicht nur jetzt fördern, sondern ihnen auch eine Perspektive für die Zeit danach geben.

Die Sportförderung war gestern aber nur eines der Themen, mit denen sich das hervorragend besetzte Podium beschäftigte. Zuvor waren die Gäste bereits von Professor Dr. Wildor Hollmann begeistert worden. Der Vorsitzende der CDU im Rhein-Kreis Neuss, Hermann Gröhe MdB, nannte Hollmann den "Papst der Sportmedizin" und tatsächlich: Was der bald 80-Jährige über den Zusammenhang von körperlicher Bewegung und geistiger Leistungsfähigkeit zu sagen hatte, war alleine durch den 60-Minuten-Auftritt und sein eigenes Beispiel schlüssig. Auf seinen Vortrag wird die NGZ in ihrer nächsten Ausgabe, die am Samstag erscheint, näher eingehen. Nach einem Grußwort des Gastgebers Josef Zanders, Direktor des Norbert Gymnasiums in Knechtsteden und einleitenden Worten von Landrat Dieter Patt zur Bedeutung des Sports im Rhein-Kreis, bat Dieter Welsink die Teilnehmer aufs Podium. Welsink, Vorsitzender des Kreissportbundes, hatte sich bestens auf die Veranstaltung vorbereitet, die er mit zielführenden Fragen leitete. Seine erste Frage ging an Dr. Korsten, den er bat, zum Spannungsfeld zwischen medizinischer Verantwortung und erwünschter sportlicher Leistung Stellung zu nehmen. Korsten, der Arzt in Grevenbroich ist, wies darauf hin, dass die Spieler das Kapital eines Vereins seien, "dieses Kapital macht man nicht mutwillig kaputt. Mit den Menschen müssen wir sehr sorgsam umgehen." Manchmal aber gebe es auch Maßstäbe, die Sportler selbst auflegten.

Stephanie Groß ist Sportlerin und besonders erfolgreich dazu. Die Meister-Ringerin aus Ückerath ist aus dem Rhein-Kreis die einzige Olmypiateilnehmerin, die in diesem Jahr in Athen antreten wird. Sie habe sich schon früh für den Leistungssport entschieden, erklärte Groß. Besonders freue sie, dass sie den Sport als Lehrerin und Trainerin auch im Beruf fortsetzen könne. "Es war mein größter Wunsch, lebenslang Sport zu treiben." In ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen habe sie zwar auch festgestellt, dass sich Kinder weniger bewegen und zum Teil übergewichtig seien. "Aber es gibt kaum Kinder, die sich nicht begeistert bewegen. Jedes Kind hat Spaß daran, auch Übergewichtige."

Welsink kehrte dann aber zum Leistungssport zurück und zur Frage, wie dem Druck standgehalten werden könne. Oft hätten es Sportler, die Leistungsprobleme oder einen Burn-Out hätten, schwer in den Medien. Das wollte aber Volker Koch, Sportchef der Neuß-Grevenbroicher Zeitung, so nicht stehen lassen. Er erinnerte an die Vorbereitungen von vier Ruderern im Rhein-Kreis auf eine mögliche Olympiateilnahme. "Sie stehen jeden Morgen um 5.30 Uhr auf, fahren teilweise eine weite Strecke, um mit ihrem Trainer zu arbeiten. Der Trainer geht ab acht Uhr seinem Beruf nach und ab 17 Uhr geht das Training dann weiter." Das könne man mit einem Bundesliga-Fußballer, der zwei bis drei Stunden trainiere, nicht vergleichen. Wer Druck durch die Medien beklage, müsse auch bedenken, dass es die Medien seien, die einen Sportler bekannt machen. Professor Hollmann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es aber keine konstante Leistung geben könne. "Das ist biologisch nicht möglich."