Reise in Sachen Gleichstellung Seit 40 Jahren Frauen in der Union

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 5. Juli 2004

„Wir sind die Hälfte der Menschheit und wir wollen auch die Hälfte der Posten“ - ohne falsche Bescheidenheit machte jetzt Elisabeth Füßgen, Vorsitzende der Frauen-Union, deutlich, wohin die Reise in Sachen Gleichstellung innerhalb der CDU mittelfristig gehen soll.

40 Jahre alt wurde jetzt die Frauenorganisation der Union, die mit 1 600 Mitgliedern den stärksten Verband am Niederrhein und den fünfstärksten innerhalb der NRW-CDU stellt. Etwa 25 Prozent der CDU-Mitglieder im Rhein-Kreis sind Frauen, wobei der Wert mit gut 40 Prozent in Korschenbroich deutlich über dem Durchschnitt liegt.

Ihren runden Geburtstag hat die Frauen-Union jetzt in Neuss gefeiert, wo sich neben Landrat Dieter Patt unter anderem auch die Vizebürgermeisterinnen der CDU und andere Mandatsträgerinnen aus dem Kreisgebiet ein Stelldichein gaben. Einen Rückblick auf die vergangenen 40 Jahre nahm die ehemalige Zonser Bürgermeisterin Hannelu Manitz vor, die zwischen 1973 und 1975 den Vorsitz der Frauen-Union inne hatte. Mit von der Partie war auch Gisela Heesch, die erste Vorsitzende der Frauen-Union im damaligen Kreis Grevenbroich, die den Verband von 1964 bis 1973 leitete.

Vorbehalte gegen eine Frauenorganisation der CDU habe es seinerzeit nicht gegeben - „ich kam bei den Männern glänzend an“, sagt die Gründungsvorsitzende. Stark unterstützt worden sei das unter anderem von der späteren Bundesbildungsministerin Dorothee Wilms initiierte Projekt vom damaligen CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Peter Giesen, sowie später auch durch Dr. Hans-Ulrich Klose. Aufgefallen ist den Vorkämpferinnen der Frauen-Union freilich schon seinerzeit, dass viele politisch aktive Männer in der CDU bei aller Aufgeschlossenheit letztlich denn doch Wert darauf gelegt hätten, dass nicht auch ihre eigenen Gattinnen sich in der Frauen-Union engagierten.

Pionierin war Gisela Heesch auch in anderer Hinsicht, wurde sie Mitte der 60-er Jahre doch als erste Frau überhaupt direkt in den CDU-Kreisvorstand gewählt.Dass sich die Beteiligung von Frauen in der Politik sehr verbessert hat, steht für Elisabeth Füßgen, ihre Stellvertreterinnen Maria Widdekind und Pia Schlechtriem sowie die Vorsitzende des Ortsverbans Grevenbroich, Maria Becker, zwar außer Frage. Gleichwohl bleibt natürlich noch allerlei zu tun, denn nach wie vor sei es nicht ganz einfach, Frauen für die Politik zu aktivieren. Aktuelle „Hoffnungsträgerin“ ist das Jüchener Neu-Mitglied Margarete Kranz, die beste Chancen hat, nach dem 26. September als erste Bürgermeisterin im Rhein-Kreis in die Geschichtschroniken einzugehen.

Für den Vorstand der Frauen-Union steht es außer Frage, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch die Wahl einer CDU-Landrätin auf die innerparteiliche Tagesordnung kommen wird. Mit Blick auf die Kommunalwahl in weniger als drei Monaten tritt die Frauen-Union des Kreises dafür ein, Landrat Dieter Patt künftig auch eine Stellvertreterin zur Seite zu stellen.

Die von den Geburtstagsgästen anstelle von Geschenken mitgebrachten Spenden werden dem von der Caritas Neuss betreuten Projekt „KiZ - Kinder im Zentrum“ zur Verfügung gestellt, das Hilfen für suchtbelastete Familien anbietet und sich dabei insbesondere um die Kinder suchtkranker Eltern kümmert.
S.M.