"Papa, mach's nochmal"

Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 24. September 2004

Wenn am Sonntag die Wahlkampfmaschinen der Parteien langsam zum Stillstand kommen, hat er endlich wieder Zeit, einmal ganz für sich allein in Fahrt zu kommen: Dieter Patt, Landrat und "Titelverteidiger" der CDU im Kommunalwahlkampf, hat sich nach Stimmabgabe und morgendlichen Repräsentionspflichten fest vorgenommen, gut zwei Stunden auf Roller Blades unterwegs zu sein.

Ausgleich muss sein - und das nicht nur bei der künstlerischen Arbeit im Atelier auf Gut Gnadental. "Die vergangenen Wochen waren schon sehr intensiv, ich habe sie jedoch mehr als Herausforderung denn als Belastung empfunden", sagt Patt. Von Rommerskirchen bis Meerbusch habe er in allen Kreiskommunen interessante Gespräche geführt, über Kommunalpolitik natürlich, speziell die Hartz IV-Reformen - aber auch ganz Persönliches. "Zeigen Sie doch 'mal die Ringe!" - Nach der Wiederholung einer WDR-Sendung über den Rhein-Kreis Neuss war der Indianerschmuck, längst Markenzeichen des Landrates, sehr gefragt. Stolz ist Patt, dass es ihm gelungen ist, dass er für viele alte Bekannte immer noch "Dieter" geblieben ist - "das höre ich lieber als Herr Landrat".
Seine Familie versucht er aus dem Wahlkampf herauszuhalten: "Ich will keine Schauspiel-Auftritte." "Papa, mach's noch einmal", der Entschluss sei zwar gemeinsam gefasst worden, allerdings sei es unrealistisch, anzunehmen, dass das Familienleben von der Arbeit als Landrat und Polizeichef mit Erreichbarkeit rund um die Uhr unberührt bleibe.
Negative Erfahrungen gab es kaum, seinen Mitbewerbern dankt Patt sogar ausdrücklich für einen fair geführten Wahlkampf. Eines jedoch hat er dann doch vermisst: "Das Amt des Landrates hat im Detail kaum eine Rolle gespielt." Dabei gehe es doch um viel mehr als knackige Sprüche und politische Parolen. "Die Kompetenz, die das Amt in der Verwaltungsführung erfordert, geht dabei unter ", so Patt. Gut getan hat ihm, dass er im Wahlkampf nicht nur einmal wohlwollendes und anerkennendes Schulterklopfen kassiert hat, "aus den eigenen Reihen, teilweise aber auch von der politischen Gegenseite".

Dem Ergebnis der Wahl sieht Dieter Patt "ohne Nervosität, aber auch ohne Überheblichkeit" entgegen. Wahlkämpfe sind aufregende Zeiten, und dennoch: "Am Schluss finde ich immer meinen Frieden, denn ich bin überzeugter Demokrat - ein besseres politisches System hat noch niemand erfunden." Um so eindringlicher appelliert der Landrat - auch angesichts der geringen Wahlbeteiligung und der Erfolge extremistischer Parteien bei den jüngsten Landtagswahlen - an die Menschen im Rhein-Kreis, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen: "Nur dann haben die, die wir hier nicht wollen, keine Chance."