Bundestagung der Schüler-Union in Neuss In „Rohstoff Intelligenz“ investieren

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 5. Juli 2004 - Von Mareike Roszinsky

Der Generalsekretär der CDU, Laurenz Meyer (Mitte) war Ehrengast der Bundestagung der Schüler-Union in Neuss. Begrüßt wurde er von der SU-Bundesvorsitzenden Karolina Swiderski und ihrem Vorgänger Mark Blue.
Der Generalsekretär der CDU, Laurenz Meyer (Mitte) war Ehrengast der Bundestagung der Schüler-Union in Neuss. Begrüßt wurde er von der SU-Bundesvorsitzenden Karolina Swiderski und ihrem Vorgänger Mark Blue.

Hoher Besuch in Neuss. Allerdings nur kurz. Denn CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer hatte es am Samstag eilig, wieder nach Berlin zurück zu fliegen, wo ein Termin mit dem neuen Bundespräsidenten Horst Köhler auf dem Programm stand. Trotzdem nahm Meyer sich die Zeit, bei der Bundestagung der Schüler Union (SU) eine 45-minütige Rede zu halten.

„Wir machen Schule“ lautet der Wahlspruch der SU - und genau dieses Thema war auch Laurenz Meyers Anliegen in Neuss. Sein Steckenpferd: die Bildungspolitik, ein Thema, was den Mitgliedern der Schüler Union altersbedingt besonders am Herzen liegt. Schließlich suchen auch Leute aus den eigenen Reihen verzweifelt Ausbildungsstellen oder leiden unter den Zuständen an den Universitäten. „Wir haben in Deutschland nur einen Rohstoff - unsere Intelligenz“, meinte Meyer.

Egal, ob im akademischen Werdegang oder in praktischen Berufen: „Wer nicht genügend in seine Ausbildung investiert, der wird für sein Leben bestraft.“ Und fahre wie auf Schienen in die Arbeitslosigkeit. Eine Mahnung an alle, und auch ein Seitenhieb Richtung Bundesregierung, bei der „die Bildungspolitik oft am Ende der Finanzierungskette steht“. Er erinnerte an die demographische Strukturveränderung - immer mehr alte Menschen, weniger Erwerbstätige - und schätzt, dass diese Entwicklung sich ab 2010 richtig deutlich auswirken wird. „Das kommt auf sie alle zu“, mahnte er.

„Die Jungen werden dann auf dem Arbeitsmarkt gefragt sein wie nie, aber nur mit entsprechenden, hervorragenden Qualifikationen.“ Deshalb plädiert er für das Abitur in zwölf Schuljahren, zentrale Abschlussprüfungen und mehr Freiheit, was die Selbstverwaltung der Schulen angeht und für sozialverträgliche Studiengebühren.

„Deutschland muss wieder an die Spitze in Europa“, forderte der CDU-Politiker. Wettbewerb provozieren und erhalten, der Schulen und Länder untereinander, aber auch innerhalb Europa, sei das entscheidende Stichwort. Zumal Laurenz Meyer immer wieder betont, dass Politik langfristig gestaltet werden müsse, „auf die nächsten 20, 30 oder 40 Jahre ausgerichtet“. Sein Vergleich: die Waldbauern. „Wir pflanzen heute die Bäume, deren Früchte dann die kommenden Generationen ernten.“

Er kritisierte die emotionale Grundhaltung vieler Menschen, den Mangel an Motivation, etwas für das eigene Land zu tun, auch im Hinblick auf Europa. „Veränderungen sollten nicht als Selbstzweck, sondern für das Land unternommen werden“, sagte er. Eine kleine Portion Patriotismus wünsche er sich - ein Seitenhieb in Richtung Jürgen Trittin, der ihn für seinen Satz „Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“ einen Skinhead nannte. „Warum soll ich das nicht sagen?“, fragte Meyer in die Runde. Spätestens jetzt hatte er seine jungen Zuhörer am Haken. Der Frontalkurs gegen Rot-Grün kam an.

Zum Schluss bekam Meyer viel Applaus und den Dank vom SU-Bundesvorsitzenden Mark Blue. Der Schleswig-Holsteiner musste sich allerdings in Neuss von seinem Amt verabschieden, denn die Tagung wählte einen neuen Bundesvorstand. Jetzt hat eine Neusserin das Amt der Bundesvorsitzenden inne: Karolina Swiderski, bisher Vorsitzende des Landesverbandes.