Absolute Mehrheit knapp behauptet Dieter Patt bleibt Landrat

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 27. September 2004 - Von Frank Kirschstein

Die absolute Mehrheit ist knapp, aber sie steht - und auch die Landratswahl ist unter Dach und Fach, da strahlt die CDU (v.l.): Hermann Gröhe, Dieter Patt, Dr. Hans-Ulrich Klose, Cornelius Gröhe und Hermann-Josef Dusend.
Die absolute Mehrheit ist knapp, aber sie steht - und auch die Landratswahl ist unter Dach und Fach, da strahlt die CDU (v.l.): Hermann Gröhe, Dieter Patt, Dr. Hans-Ulrich Klose, Cornelius Gröhe und Hermann-Josef Dusend.

Für die CDU wird es mit 33 von 66 Abgeordneten eng im Kreistag. Die Stimme des Landrates hinzugerechnet, verfügt sie jedoch weiter über eine absolute Mehrheit . Die Opposition hat ihr Ziel, die absolute Mehrheit der CDU zu brechen und Patt in die Stichwahl zu zwingen, verfehlt.

Die Türen der Wahllokale waren gerade eine halbe Stunde geschlossen, da erntete Landrat Dieter Patt den ersten Applaus bei der Wahlpräsentation im Kreissitzungssaal in Grevenbroich: „Willkommen in Patt-Land“, Willy Wimmer MdB ist einer der ersten der Patt gratuliert, auch wenn der sich angesichts der zu diesem Zeitpunkt noch unsicheren Datenbasis zunächst nur verhalten freuen will.

Auch der Blick auf die ersten Zahlen der Kreistagswahl trübt bei der CDU die Stimmung: Fast bis zum Schluss - ein letzter Wahlbezirk in Gindorf machte es spannend - schien die absolute Mehrheit der vergangenen Jahre in Gefahr. Bis 22.19 Uhr mussten die Christdemokraten zittern, dann stand fest: Die absolute Mehrheit steht, wenn auch hauchdünn, nur wenn die Fraktion die Stimme des Landrates hinzurechnet. 49,7 Prozent der Stimmen kann die CDU für sich verbuchen, ein Minus von 6,1 Prozent, auch die SPD verliert. Sie kommt auf 25,9 Prozent, 1,1 Prozent weniger als 1999.

Gewinner im Kreistag sind Bündnis 90/Die Grünen. Sie verbessern sich um 2,6 auf insgesamt 8,3 Prozent. Auch die FDP legt zu, 2,3 Prozent plus bringen die Liberalen auf 7,6 Prozent. Auch die UWG und die PDS sind wieder im Kreistag vertreten, neu dabei ist ein Abgeordneter der Wählergemeinschaft „Die Aktive“ aus Korschenbroich.

Trotz Verlusten ein Grund zur Freude für die CDU: Sie konnte - wie 1999 - in allen Wahlkreisen ihre Direktkandidaten durchbringen. Landrat Dieter Patt schnitt im Endergebnis besser ab als seine Kreistagsfraktion. Der alte und neue Landrat des Rhein-Kreises zeigte sich trotz seines Stimmenverlustes von 4,6 Prozent unter dem Strich mit seinem Ergebnis zufrieden: „Mein Ziel, eine Stichwahl zu vermeiden, habe ich erreicht.“

Die Verluste der CDU sieht er in Landes- und Bundestrends, aber auch im Lokalen begründet. Wenn der CDU-Bürgermeisterkandidat der CDU in Dormagen massiv verliere, bleibe das nicht ohne Effekte auch für die anderen CDU-Kandidaten, den Landrat eingeschlossen: „Viele tendieren dazu, bei den verschiedenen Wahlgängen ,durchzuwählen‘, also immer die gleiche Partei anzukreuzen.“

Dass die CDU im Kreistag nur noch über eine knappe absolute Mehrheit verfügt, schreckt Patt ebenso wenig wie den CDU-Kreisvorsitzenden Hermann Gröhe: „Die CDU ist stabil, die Ergebnisse von 1999 nach dem katastrophalen Start der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder waren nicht zu wiederholen.“ Schmerzlich, so Gröhe, sei der Absturz von CDU-Bürgermeister Reinhard Hauschild in Dormagen im Zweikampf gegen seinen Vorgänger Heinz Hilgers (SPD), der ihn bei der Wahl Sonntag locker abhängte, und eine Stichwahl erzwang.

„Furios“ dagegen, so Gröhe, sei der Start von Axel Prümm in Grevenbroich gewesen. „Neulinge haben es schwer, der Amtsbonus zieht“, sagte Gröhe und dennoch habe Prümm - trotz Stichwahl - beste Chancen, das Rathaus zu erobern. Auch SPD-Kreisgeschäftsführer Rainer Thiel - Kreisparteichef Kurt Bodewig war nicht im Kreissitzungssaal - gab sich Mühe, trotz Verlusten ein positives Ergebnis zu formulieren: „Wir haben auf Kreisebene weniger verloren als im Landesdurchschnitt.“ Mit Blick auf Landrat und Bürgermeister habe sich - Ausnahme Dormagen - bestätigt, dass die amtierenden Kandidaten von einem Amtsbonus profitieren könnten.

Dass der gemeinsame Bürgermeisterkandidat von SPD, FDP und Grünen in Neuss vernichtend geschlagen wurde, sieht Thiel als „Katastrophe für die Neusser SPD“. Erhard Demmer, Landratskandidat der Grünen, hingegen hatte Grund zum Jubeln: „Die Wähler haben unsere geradlinige Sachpolitik honoriert.“ Auch FDP-Kreisvorsitzender Tim Köhn sah sich und seine Landratskandidatin auf der Gewinnerseite: „Dr. Jana Pavlik hat ein gutes Ergebnis geholt, das zeigt auch, dass es richtig war, mit einer eigenen Kandidatin anzutreten.“ Der FDP-Stadtverband Neuss, der auf einen gemeinsamen Kandidaten mit SPD und Grünen gesetzt und überdeutlich verloren habe, werde sein Vorgehen kritisch hinterfragen müssen.