CDU-Kreistagsfraktion zur Idee eines 365-Euro-Jahresticket Die "Verkehrswende" am falschen Ende angepackt

@pixabay
@pixabay

Aktuell sorgt ein unter der Federführung der Neusser SPD-Ratsfraktion eingebrachter Antrag zur Prüfung der Einführung eines 365-Euro-Jahresticket nach dem Wiener Modell in der Stadt und darüber hinaus für Diskussionen. Auf Wunsch der CDU-Fraktion im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat dieser für alle Mitgliedskommunen eine Modellrechnung vorgelegt. Für die Stadt Neuss bringt die Einführung des Tickets demnach jährliche Zahlungen an den Verkehrsbund in Höhe von 4,953 Millionen Euro mit sich. Auch der Rhein-Kreis Neuss müsste, sollte das Ticket in seinem Zuständigkeitsbereich eingeführt werden, jährlich 4,258 Millionen Euro an den VRR abführen. 

„Mit der Modellrechnung für ein 365-Euro-Jahresticket bringt der VRR Transparenz in die Diskussion um die Einführung eines derartigen Angebots. Es muss klar sein, was es kostet. Wenn aber erreicht werden soll, dass mehr Menschen den Nahverkehr nutzen, dann ist ein weiterer Ausbau sowohl der Infrastruktur als auch der Angebote des ÖPNV zwingend notwendig. Daher muss mit weiteren Millionenausgaben gerechnet werden. In meinen Augen wird die benötigte „Verkehrswende“ mit einem solchen Ticket am falschen Ende angepackt“, erklärt der ÖPNV-Experte und CDU-Kreistagsabgeordnete Heiner Cöllen. Eine Umsetzung für alle Städte und Gemeinden sei nur mit einer Förderung durch den Bund möglich. Dazu müssten aber zwingend weitere Investitionsmittel kommen, um die Kapazitäten auszubauen. „Der Nahverkehr hat an vielen Stellen seine Kapazitätsgrenze erreicht. Mehr geht nicht! Es muss auch weiterhin investiert werden. Es kommt auch auf die Qualität an“, beurteilt Cöllen die Situation.

Mit einem 365-Euro-Ticket sind monatlich 30,42 Euro an Erlösen für die Verkehrsunternehmen möglich. Das stellt sowohl eine deutliche Rabattierung von bis zu 61 Prozent gegenüber den derzeitigen Preisen für Regelzeitkarten wie z.B. dem Ticket1000 oder dem YoungTicketPLUS als auch gegenüber den FirmenTickets dar. 

Der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Dr. Dieter W. Welsink sieht den ÖPNV vor weichenstellenden Entscheidungen: „Richtig ist, dass die öffentliche Hand in den Ausbau der Infrastruktur und die Kapazitäten des Nahverkehrs investieren muss und kann, damit die bestehenden Engpässe zu Stoßzeiten des Pendlerverkehrs entlastet und Anreize für Personen geschaffen werden, die Busse und Bahnen derzeit noch nicht regelmäßig nutzen. Zugleich müssen dann aber die Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel auch an ihren Mobilitätskosten adäquat beteiligt werden. Schließlich sparen sie ja auch Kosten ein, wenn sie vom Auto auf den Bus oder die Bahn umsteigen.“