Automatismus erwünscht Der Traum vom Staatsbesuch

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 20. Juli 2005

Willy Wimmer hat einen Traum. Und zwei prominente Mitträumer: Hermann Gröhe, wie Wimmer Abgeordneter der CDU im Deutschen Bundestag, und Landrat Dieter Patt. Die Drei vereint eines: Zunächst einmal der Stolz auf den Rhein-Kreis Neuss. Ganz besonders aber der Stolz auf ein bestimmtes Fleckchen zwischen Holzheim und Kapellen, ein wahrer locus amoenus - Hombroich.

Die Museumsinsel ist der Stoff, aus dem ihre Träume sind. Jüngst schaffte es „die Insel“, zu der auch die ehemalige Raketenstation gehört, wegen ihrer Bedeutung in einem der führenden deutschen Wochenjournale entsprechend gewürdigt zu werden. Für Wimmer, Patt und Gröhe - „Wir sind die Anwälte der Region“ - ein Signal. Und dieses Signal soll nun auch in Berlin gehört werden. Da ist sich das Trio mehr als einig. „Bei Staatsbesuchen soll man künftig auch an Hombroich denken“, gibt Wimmer das Ziel vor. Er wünscht sich sogar einen Automatismus: Wenn schon Kultur im Programm, dann bitte Hombroich. Ohnehin sorgt die Insel mit ihrem Projekt „RaumOrtLabor“derzeit international für Aufsehen. Ein Pfund, mit dem der Rhein-Kreis wuchern will. Der definiert sich, so ist deutlich zu spüren, eben nicht nur über seine Wirtschaftskraft. Sicher, ohne florierende Ökonomie ist alles nichts. Aber ohne Kultur halt auch nicht.

Um so zufriedener blicken Patt, Gröhe und Wimmer nach Düsseldorf: Mit dem in Neuss lebenden Leiter der Staatskanzlei, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, sitze ein Mann an kulturpolitisch entscheidender Stelle, „dem man den Kreis Neuss nicht erklären muss“. Schon wird an der Achse Neuss-Düsseldorf-Berlin gefeilt. Wir erinnern uns an die Staatsbesuche. Hombroich, das ist aber nicht nur Kultur. Rundherum regiert die Landwirtschaft - und das soll noch lange so bleiben. Doch namentlich die Zuckermarktordnung bringt hiesige Rübenbauern an den Rand der Verzweiflung. „Wir stehen an ihrer Seite“, betont Patt, der eigens eine Vision für die Landwirtschaft im Rhein-Kreis Neuss entworfen hat. Gröhe wird deutlich: „Wir vermissen den tatkräftigen Einsatz der Bundesregierung.“ Die von der EU forcierte Liberalisierung des Zuckermarktes, die bei den heimischen „Knollebure“ zu gravierenden finanziellen Einbußen führen wird, werde keineswegs den Produzenten in ärmeren Ländern zugute kommen. Gröhe: „Der Profit geht an die großen Nahrungsmittelkonzerne.“

Den Chef der Kreisverwaltung selbst wiederum plagen ganz eigene Sorgen: Hartz IV und die Folgen. Schon jetzt wird der Kreishaushalt mit mehr als sechs Millionen Euro überstrapaziert. Von Berlin wird erwartet, eine fairere Verteilung der Kosten durch Hartz IV zugunsten der Kommunen vorzunehmen. Patt: „Es muss etwas passieren.“ Noch ein Weiteres treibt Patt, Gröhe und Wimmer in diesem Sommer um: Die Zukunft der Aluminiumverarbeitung am Standort Rhein-Kreis, die durch permanente Energie-Verteuerung zuletzt in die Schlagzeilen geriet, und die Chemieindustrie, über die sich nach Überzeugung Gröhes der Schatten der neuen Chemikalienverordnung gelegt hat. Nach dieser Tour d’horizon wird eines deutlich: Von der jetzigen Bundesregierung erwarten die Drei nicht mehr viel. Der Wechsel soll’s bringen. Auch dies wäre ein Traum - für Willy Wimmer, Dieter Patt und Hermann Gröhe.