Wahljahr 2004 hat Christdemokraten beflügelt Den Wechsel im Visier

Optimistischer Start ins neue Jahr: Die CDU im Rhein-Kreis Neuss rechnet sich bei den Landtagswahlen im Mai gute Chancen aus. Die Christdemokraten verweisen auf ihre Erfolgsbilanz : eine prosperierende Region mit starker Lobby.

Das Wahljahr 2004 hat die Christdemokraten im Rhein-Kreis Neuss beflügelt. Entsprechend optimistisch sehen sie auf den im Mai anstehenden Urnengang, wenn es darum geht, die politischen Weichen im Land neu zu stellen. SPD und Grüne in der Regierungsverantwortung abzulösen: Dass dies gelingen könne, daran wollten Landrat Dieter Patt, die beiden Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer und Hermann Gröhe, Landtagsabgeordneter Dr. Hans-Ulrich Klose sowie CDU-Kreistags-Fraktionsvorsitzender und Landtagskandidat Lutz Lienenkämper am Dienstag keinen Zweifel aufkommen lassen. Bei einem Treffen in Neuss gaben sie die Devise vor. Und die heißt für die CDU im Rhein-Kreis ganz klar: „Gewinnen.“ Wie steht es um die Chancen? Was die Stimmung an der Basis betrifft, so machte das Wort von „unheimlichem Rückenwind“ die Runde. Was indes die Partei im Land angeht, formulierte Wimmer pointiert den Wunsch, dass das, was durch das Engagement der CDU im Rhein-Kreis erreicht werde, Schule machen möge.

Apropos Schule: In Bildungsfragen habe die CDU in der Vergangenheit zukunftsfähige Antworten gegeben, hieß es Dienstag. „Schulpolitik ist ein wesentliches Politikfeld der Fraktion“, betonte Lienenkämper.Tragfähige Lösungen zu erarbeiten, das bescheinigen sich die Christdemokraten auf Kreisebene auch im Bereich Familienpolitik. Als Beispiel wurde hier die Familienkarte genannt. Nicht zuletzt sei es gelungen, der Region zwischen Meerbusch und Dormagen, Neuss und Jüchen ein „soziales Gesicht“ zu geben - Standortvorteil einer ökonomisch prosperierenden Kreisgemeinschaft. Der wirtschaftsstarke Rhein-Kreis - dafür habe die Politik in der Vergangenheit entscheidende Akzente gesetzt, hob Gröhe hervor. Für den Vorsitzenden der Kreis-CDU ein Beweis, zu was Politik, allen Unkenrufen zum Trotz, fähig sei. Und auf Landesebene? „Die SPD ist ausgelaugt“, hielt Wimmer nicht lange hinterm Berg.

Nach Jahrzehnten an der Spitze, seien von den Sozialdemokraten keine richtungsweisenden Impulse mehr zu erwarten. Was für Ärger sorgt: die vermeintliche Farb- und Konturlosigkeit einer Ministerriege, die immerhin für die Geschicke des bevölkerungsreichsten Bundeslandes mit rund 16 Millionen Einwohnern verantwortlich ist. Bundesweit diskutiert würden eben nicht Visionen und Ideen „made in Düsseldorf“, sondern Vorstöße und Anregungen aus Stuttgart oder München. In den Augen der Christdemokraten wird es also höchste Zeit für den Wechsel, für einen neuen Mann am Steuer: Dass Steinbrück-Herausforderer und CDU-Landesvorsitzender Jürgen Rüttgers sich erst kürzlich von seinem Wahlkampfberater Spreng getrennt hat, scheint in den eigenen Reihen auf wenig Kritik zu stoßen. Das Thema ist abgehakt, das Rennen um die Gunst der Wähler noch lange nicht entschieden.

Das Gespräch zu suchen und zuzuhören, das ist es, was „seine“ CDU von ihrem Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten weiterhin erwartet. Gerade auch im Rhein-Kreis Neuss. Und der liegt nur einen Steinwurf entfernt von der Landeshauptstadt, wo Rüttgers mit seiner Mannschaft noch die Oppositionsbank drückt. Den Landtag vor der Türe: Entsprechend einfach sei es, mit Rüttgers in Kontakt zu kommen. Wimmer: „Wir nutzen den Vorteil.“ Rüttgers wiederum erweise sich als offen für Anregungen und Vorschläge seiner Parteifreunde aus dem Kreis, der im Chor der niederrheinischen Nachbarkreise als „Kernland des rheinischen Kapitalismus“ nicht zuletzt in Berlin eine schlagkräftige Lobby habe. Der Kreis als Größe. Daran hat, so zeigen sich Willy Wimmer, Hermann Gröhe, Lutz Lienenkämper und Co. überzeugt, der Landrat einen nicht zu vernachlässigenden Anteil: „Wir sind Dieter-Patt-geprägt.“ Und der hat bekanntlich die Devise: „Net kalle, donn!“

Von Simon Hopf