Politische Arbeit und christliche Weltanschauung Das „C“ ist und bleibt Programm

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 14. Juni 2005

Es war eine Geburtstagsfeier mit allem, was dazu gehört: zahlreichen Gästen, Musik und vielen fröhlichen Erinnerungen an die „Kindheit“. Vor 60 Jahren, im Sommer 1945, gründete sich die Christlich-Demokratische Union Deutschlands. Am Montag trafen sich CDU-Mitglieder aus dem Rhein-Kreis im Neusser Kreishaus, um das „Geburtstagskind“ zu feiern.

„Mit der Neugründung der CDU entstand eine Volkspartei, in der alte Klassen- und Konfessionsgegensätze überwunden werden konnten und deren politische Leitideen - Soziale Marktwirtschaft, Westbindung und europäische Integration - maßgeblich zum Erfolg der Bundesrepublik Deutschland beigetragen haben“, sagte CDU-Kreisvorsitzender Hermann Gröhe MdB.

Dankbar und stolz könne die Partei auf ihre Gründung, aber auch auf die Frauen und Männer zurückblicken, die die Union aufgebaut und geprägt haben. Zu diesen zählen mit Sicherheit auch die drei, die am Montag mit ihren Erinnerungen an die großen historischen Ereignisse der Nachkriegsjahre und des Wiederaufbaus, aber auch an viele persönliche, teils emotional bewegende Momente dazu beitrugen, dass den Gästen der „Geburtstagsfeier“ bewusst wurde, dass die Gründung der CDU mehr war als ein Verwaltungsakt.

Dr. Heinz Günther Hüsch erinnerte an die Gründung der CDU in der Stadt Neuss am 4. November 1945, die er als 16-Jähriger miterlebte, an „wilde“, nächtliche Plakatieraktionen und handfeste Auseinandersetzungen mit den politischen Gegnern, aber auch an - mit der Gründung der CDU - schließlich überwundene Streitereien zwischen „Blauköppen“ und „Päpstlingen“. „Mit der Gründung der CDU“, so Hüsch, „begann eine politische Erfolgsgeschichte: Es wurde mehr erreicht, als wir 1945 zu träumen wagten - und ich bin überzeugt, es kann noch viel mehr erreicht werden.“

„Die Menschen brauchen Orientierung, Verlässlichkeit, Vertrauen, Heimat“, sagte Landrat Dieter Patt. Dafür stehe die CDU mit ihren christlichen Grundwerten, ohne die für die Union die demokratische Grundordnung und die Parteiarbeit nicht denkbar seien. „Dabei lassen wir uns das ,C’ von keinem, von gar keinem streitig machen“, betonte Patt - und erntete wenige Tage nach der Forderung Joachim Kardinal Meisners nach dem Streichen des „C“ aus dem Parteinamen lautstarken Beifall.

Libet Werhahn-Adenauer hob wenig später die „unerbittliche“ Haltung ihres Vaters, Konrad Adenauer, gegenüber all jenen hervor, die bei der Gründung der neuen Partei 1945 zunächst dagegen waren, politische Arbeit und christliche Weltanschauung zu verbinden. Und was wären Erinnerungen an den „Alten“ ohne eine seiner Anekdoten? Auch dafür sorgte seine Tochter: „Lüge nie, auch nicht in der Politik. Du kannst ja doch nicht alles behalten, was Du gesagt hast.“

Landrat Patt nannte auch noch ein weiteres „Geburtstagskind“, den Rhein-Kreis Neuss, dessen 30-jährige Geschichte untrennbar mit der CDU verbunden sei: Mit wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Verantwortung habe die Union mit acht leistungsstarken Städten und Gemeinden einen ökonomisch starken, sozialen und familienfreundlichen Kreis geschaffen.

Dazu, so betonte Peter Giesen, wie Hüsch und Dr. Hans-Ulrich Klose lange Jahre Landtagsabgeordneter und Vorkämpfer für den Kreis Neuss im Rahmen der Kommunalen Neugliederung 1975, hätten auch die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen beigetragen, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Rhein-Kreis ein neues Zuhause fanden: „Die Leistung gerade der Kommunen, diese Menschen integriert zu haben, kann man gar nicht hoch genug schätzen.“
(ki)