Dialogreihe "Leitplanken" der CDU-Kreistagsfraktion im Kloster Immaculata Christliche Ethik und unternehmerisches Handeln kein Gegensatz

v.l.: Dr. Hans-Ulrich Klose, Prof. Dr. Gert G. Wagner, Dr. Gert Ammermann
v.l.: Dr. Hans-Ulrich Klose, Prof. Dr. Gert G. Wagner, Dr. Gert Ammermann

Nicht vorherzusehen gewesen war die Aktualität des Vortragsthemas, als der Neusser Bundestagsabgeordnete und Staatsminister im Bundeskanzleramt, Hermann Gröhe MdB, Professor Dr. Gert Wagner aus Berlin für die diesjährige Ver-anstaltung der CDU-Kreistagsfraktion im Rahmen der Dialogreihe "Leitplanken" als Gastredner nach Neuss eingeladen hatte. Im Kloster Immaculata sprach der Wirtschaftsforscher und Protestant über die Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dem hochaktuellen Titel "Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive", die im Juli dieses Jahres erschienen ist und unter maßgeblicher Beteiligung von Professor Wagner entstanden ist.
Christliche Ethik und unternehmerisches Handeln - mit diesem auf den ersten Blick vielleicht gegensätzlichen Begriffspaar setzte sich Professor Wagner bei der gut besuchten Diskussionsveranstaltung auseinander. Ohne unternehmerisches Handeln sei die soziale Marktwirtschaft nicht möglich - und bei der Führung eines Unternehmens seien die zehn Gebote, sei die christliche Ethik sinnvoll und not-wendig. Dabei gehe es zum Beispiel auch um die Aufforderung, dass ein jeder Mensch versuchen sollte, etwas aus seinen Talenten zu machen - das bedeute nicht, dass jeder auch zum unternehmerischen Handeln geboren sei, schränkte der Gastredner ein.
Der Wirtschaftswissenschaftler berichtete von einem aufschlussreichen Experiment, in dessen Verlauf Unternehmer gebeten worden seien, zu Beginn ihres Arbeitstages laut die zehn Gebote zu lesen. Die Auswertung des Experiments ergab, dass die Unternehmer an diesen Tagen ihre Entscheidungen aufgrund dieser Gebote überdacht hatten.
Professor Wagner plädiert jedoch ausdrücklich für klare Rahmenbedingungen und Grenzen, die der Staat dem unternehmerischen Handeln setzen müsse. In der sich an seinen Vortrag anschließenden, regen Diskussion griff der Gast aus Berlin Fragen, etwa zum Miteinander von Arbeitnehmern und Arbeitgebern oder zur Erbschaftssteuer, auf und knüpfte immer wieder an die von ihm mitverfasste Denkschrift der EKD an.