CDU siegt in allen drei Wahlkreisen

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 23. Mai 2005

Gesamtergebnis der Landtagswahl im Rhein-Kreis Neuss
Gesamtergebnis der Landtagswahl im Rhein-Kreis Neuss

Kreisweit gewinnt die CDU mit insgesamt 52,2 Prozent der Stimmen zehn Prozent im Vergleich zur Landtagswahl 2000 hinzu und bringt in allen drei Wahlkreisen ihre Direktkandidaten durch. Dr. Fritz Behrens und Ulrike Apel-Haefs ziehen über die Landesliste für die SPD in den Landtag ein.

Jubel, Händeklatschen, Arme, die vor Freude in die Luft fliegen: Kreishaus Grevenbroich, gestern kurz nach 18 Uhr. Die Christdemokraten - Anhänger der SPD sollten erst später eintreffen - feiern die erste Prognose der Meinungsforscher nach dem Schließen der Wahllokale bereits wie das Endergebnis. „Das ist es. Wir haben es geschafft“, CDU-Kreisvorsitzender Hermann Gröhe ist der erste, der „seine“ Kandidaten, Heinz Sahnen, Lutz Lienenkämper und Karl Kress, beglückwünscht. Letzterer allerdings tut sich zu diesem Zeitpunkt noch etwas schwer mit dem Jubel: „In meinem neu zugeschnittenen Wahlkreis muss ich gegenüber der SPD 2,8 Prozent aufholen.“

Während Sahnen im Wahlkreis Neuss und Lienenkämper, der in Kaarst, Korschenbroich, Meerbusch und Jüchen die Nachfolge von Dr. Hans-Ulrich Klose antritt, schnell Gewissheit haben, dass sie in den Landtag einziehen, blickt Kress noch eine Weile gespannt, Hand in Hand mit seiner Frau Irmgard, auf die Daten für seinen Wahlkreis. Der nämlich galt - mit den beiden SPD-Bürgermeistern Heinz Hilgers in Dormagen und Albert Glöckner in Rommerskirchen sowie dem SPD-Landtagsabgeordneten Edmund Feuster als Gegenkandidaten - als härteste Nuss für die Union. Doch auch die war zu knacken: 49,5 Prozent fährt Kress ein, Sahnen, der in Neuss Innenminister Dr. Fritz Behrens aus dem Rennen wirft, kommt auf 52,1, Landtagsneuling Lutz Lienenkämper auf 54,5 Prozent der Stimmen. „Der Einzug in den Landtag ist eine große Herausforderung für mich. Ich trete an, das Lebenswerk von Hans-Ulrich Klose in seinem Sinne fortzusetzen“, sagt der junge Meerbuscher. der überzeugt ist, dass es für den Rhein-Kreis nur von Nutzen sein könne, wenn die Führungsrolle auch im Land nun endlich von der CDU übernommen werde. Welche Schwerpunkte ihn im Landtag beschäftigen werden, weiß Lienenkämper noch nicht: „Das ist kein Wunschkonzert.“ So glücklich die CDU, so geschockt zeigt sich hingegen die SPD im Rhein-Kreis, die froh sein kann, mit Dr. Fritz Behrens und Ulrike Apel-Haefs zumindest noch zwei Kandidaten über die Landesliste in den Landtag gebracht zu haben. „Ich habe gekämpft nach dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber das Ergebnis tut weh“, sagt Edmund Feuster (SPD) nach der Niederlage gegen Kress. „Das war es mit der Karriere als Berufspolitiker, jetzt muss ich mir wieder eine Arbeit suchen.“ Für Apel-Haefs ist das Ergebnis „erst einmal ein Schock“. SPD-Kreisgeschäftsführer Rainer Thiel: „Garzweiler II und die BoA-Kraftwerkserneuerung etwa wurden erst mit Unterstützung der SPD-Landesregierung möglich, es bleibt abzuwarten, ob auch die CDU den Energiestandort Rhein-Kreis sichern kann. Wir übergeben NRW in einem Zustand, auf dem sich aufbauen lässt.“ Die CDU erfreut sich unterdessen an einem anderen Zustand, dem der Kreiskarte, die nach Auszählung der letzten Stimmen um 20.14 Uhr an die Wand geworfen wird und vor allem eines ist: schwarz.

VON FRANK KIRSCHSTEIN