Verhandlungen zum Kohle-Ausstieg

Ambivalente Entwicklung im Rhein-Kreis Neuss

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Die Verhandlungen der Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens, Sachsen-Anhalts und Sachsen mit der Bundesregierung haben die notwendige Klarheit in Sachen Laufzeiten für den Abbau und die Verstromung der Braunkohle in Deutschland gebracht. Die Verhandlungsergebnisse sehen eine weitere Straffung der Agenda zur Reduktion der durch die Verstromung erzeugten CO2-Emissionen besonders im Rheinischen Revier vor.

„Das ältere der beiden Kraftwerke in Neurath soll demnach Ende 2022 vollständig vom Netz gehen und wird damit sein Schicksal mit dem Standort Frimmersdorf, der bereits im kommenden Jahr aus der Sicherheitsbereitschaft fallen wird, teilen. Der Abbau von Braunkohle soll im Tagebau Hambach 2022, in Garzweiler 2038 enden. Letzteres nur, wenn die Überprüfungen dieses Umwälzungsprozesses nicht auch einen Ausstieg aus der Förderung und Verstromung der Kohle bis 2035 zulassen.“ fasst Dr. Dieter W. Welsink, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, die Fakten zusammen und richtet seinen Blick zugleich auf die unmittelbaren Folgen für den Rhein-Kreis Neuss.

Für die Wirtschaft bedeute diese rasant ablaufende energiepolitische Kehrtwende weg von der Kohle als grundlastfähigem Energieträger zu erneuerbaren Alternativen einen noch nicht absehbaren Einschnitt. „Die Förderung und Verstromung generiert im Revier jährlich eine Wertschöpfung von rund einer Milliarde Euro. Darin inbegriffen sind auch die Folgeaufträge und Dienstleistungen klein- und mittelständiger Unternehmen für RWE“, so Dr. Welsink weiter. Es gelte nun, den schrittweisen Verlust dieser Wertschöpfungskette durch die Schaffung neuer Verzahnungen langfristig zu kompensieren. „Vor allem die Aus- und Weiterbildung dieser hochqualifizierten Menschen muss hier vor Ort erfolgen, damit wir Anreize für innovative Unternehmen schaffen können, die diese Fachkräfte benötigen. In diese Betrachtung schließe ich auch ausdrücklich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von RWE ein.“ Mit den Projekten des ALU Valley 4.0 sowie des Campus Changeneering habe der Rhein-Kreis Neuss bereits die konzeptionelle Grundlage für die notwendige Entwicklung geschaffen. Nun gelte es, sie umzusetzen.

Der für die energieintensive Industrie geplante Zuschuss, um zu erwartende Steigerungen der Strompreise aufzufangen, stelle in seinen Augen eine praktikable Lösung dar sofern damit die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft international gewahrt werden kann. „Wir haben alle vor Augen geführt bekommen, wie stark der Druck der Weltwirtschaft auf den Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss lastet“ verdeutlicht Dr. Welsink mit Blick auf die Entwicklungen im Hydro-Werk Grevenbroich.   

Die Folgen der Verhandlungen für den Rhein-Kreis Neuss seien aber durchaus ambivalent zu betrachten „Während RWE mittelfristig 6000 Stellen streichen wird, darf man nicht vergessen, dass bis zur geplanten Auskohlung des Tagesbaus Garzweiler und dem Abschalten des BoA-Werks in Neurath die Wertschöpfungsmechanismen dieser Branche weiterhin fortbestehen. Zugleich muss die Stadt Jüchen nach wie vor langfristig auf die Entwicklung eines großen Teils ihres Stadtgebietes zugunsten des Tagesbaus verzichten. Unsere Region steht demnach vor großen und komplexen Herausforderungen. Es kommt jetzt darauf an, dass sich die Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vernetzen und die Kreisgemeinschaft koordiniert zusammenarbeitet. So und nur so bleibt der Rhein-Kreis Neuss zugleich attraktive Heimat und ein ökonomischer Anziehungspunkt.“